III. Interdisziplinäre Traumafachtagung - Gedächtnisprozesse: Aussagepsychologie und Traumaerinnerung

Ich glaube Ihnen, doch es lässt sich nicht beweisen. Unter diesem Dilemma leiden alle – bis auf die TäterInnen.

 

Aussagepsychologische Gutachten werden zur juristischen Wahrheitsfindung eingesetzt. Die konsistente und detailreiche Darstellung von Ereignissen ist eine Voraussetzung im justiziellen Verfahren, um eine Schilderung als erlebnisbasiert bewerten zu können. Traumatische Erinnerungen sind oft lückenhaft und inkonsistent. Ein Trauma übersteigt die kognitiven Verarbeitungsmöglichkeiten eines Menschen. Traumatische Ereignisse werden fragmentiert gespeichert. Häufig werden Einzelheiten, die für ein Ermittlungsverfahren von Bedeutung sein könnten, völlig ausgeblendet, da sie nicht auszuhalten sind. Auf der anderen Seite können selbst minimale Reize als Trigger wirken und dazu führen, dass Betroffene von Erinnerungsdetails und Bildern überwältigt werden.

Traumatisierte sind oft nicht in der Lage, das ihnen Widerfahrene so zu schildern, dass es gemäß den Anforderungen aussagepsychologischer Gutachten in einer Beweiswürdigung vor Gericht glaubhaft erscheint. Dennoch tragen sie die Last der Erweisbarkeit. Eine Verurteilung kommt nur zustande, wenn das Gericht davon ausgehen kann, dass der Tathergang mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so abgelaufen ist, wie vom Opfer geschildert. Verbleibende Zweifel an der Glaubhaftigkeit von Aussagen und das Fehlen weiterer Beweise müssen in einem Rechtsstaat nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ zum Freispruch des/der Angeklagten führen.

 

Die III. Interdisziplinäre Traumafachtagung möchte das Spannungsfeld zwischen Gerechtigkeit, Unschuldsvermutung, traumatisch bedingter Sprachlosigkeit der Opfer und der Problematik der Beweiswürdigung thematisieren. Neue Erkenntnisse der Psychotraumatologie und der medizinischen Forschung können die aussagepsychologische Begutachtung ergänzen. Wir möchten diskutieren, wie es gelingen kann, Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ohne Unschuldige zu bestrafen.

 

Die Tagung wendet sich an ein interdisziplinäres Fachpublikum und soll Interessierte aus den Bereichen Justiz, Kriminalpolizei, Psychotherapie, Opferarbeit, Medizin und sozialer Arbeit ansprechen.

 

Die Veranstaltung ist zertifiziert und wird duch die LPK (Landespsycho- therapeutenkammer) mit 10 Punkten bewertet.

 

    

Tagungsbericht III. Interdisziplinäre Traumafachtagung
Tagungsbericht.pdf
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Flyer mit allen weiteren Informationen zur Tagung und zum Ablauf
Flyer_Traumafachtagung III_2015_03.pdf
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Kontakt

Dr. Brigitte Bosse

Lotharstraße 4

55116 Mainz

Tel.: 06131 234628

 

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